January 26th, 2007
Immer mehr Leute nutzen das Internet, aber erst wenigen dient dieses Medium als Quelle zur politischen Information. Hier stehen immer noch TV, Radio und Zeitung im Vordergrund. Dies geht aus der jüngsten Univox-Analyse zur Mediennutzung in der Schweiz hervor. Danach haben heute drei Viertel der Befragten Zugang zum Internet, zwei Drittel nutzen es mindestens wöchentlich. Aber erst die Hälfte der «Onliner» nutzt das Internet mindestens ab und zu, um Informationen zu politischen Themen zu erhalten.
Für die Univox-Studie haben das Forschungsinstitut gfs-zürich und das Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung Zürich 705 Personen befragt, davon drei Viertel aus der Deutschschweiz und ein Viertel aus der Romandie
Sagt der Kleinreport von gestern. Da hat die SVP den richtigen Riecher, wenn sie auf Strassen- und Telefonkampagnen setzt. Allerdings wird nicht darauf eingegangen, ob und welche Mediennutzer dann auch abstimmen gehen.
via Internet Briefing
Nachtrag: Christian Schenkel zitiert eine Studie, welche die zunehmende Wichtigkeit des Internets belegt: Wachsende Bedeutung des Internets. Allerdings geht es in der Studie um die USA, nicht die Schweiz.
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January 17th, 2007
Strassenkampf, pardon, Strassenwahlkampf soll der SVP des Kantons Bern im Wahljahr 2007 zum Sieg verhelfen:
Neu will die SVP «nicht mehr warten, bis die Leute zu uns kommen an die Wahlveranstaltung im ,Säli‘» – vielmehr wolle die SVP die Leute dort ansprechen, «wo sich diese befinden». Joder sprach von einem Strassenwahlkampf. Die SVP werde dieses Jahr präsent sein bei Einkaufszentren, Bahnhöfen, auf Dorfplätzen, bei Sport- und Kulturanlässen und an Ausstellungen wie BEA oder OHA.
Und das Internet? Braucht ihr denn kein Internet? Doch, schon, aber nach dem Motto “klotzen statt kleckern” wird gleich auf Bundesratsebene agiert. Dort wird fröhlich auf der offiziellen Website des EJPD Wahlkampf betrieben:
Seit 2004 hat in der Schweizer Politik eine Rückbesinnung auf erfolgreiche und bewährte schweizerische Werte eingesetzt. Damit konnten in den vergangenen drei Jahren erste Fortschritte erzielt werden. Die Wahlen im Herbst 2007 entscheiden, ob diese erfolgreiche liberal-konservative Politik fortgesetzt wird oder die Politik zu den realitätsfremden Konzepten der Neunzigerjahre zurückkehrt.
Ein Novum in der Schweizer Politik. Und eine klare Absage an die realitätsfremde Gewaltentrennung der Neunzigerjahre. Das ist Fortschritt nach SVP-Lesart.
Und die SP? Hat nicht mehr zu bieten als einen Spruch aus der Propaganda-Mottenkiste. 2007: Jahr der Entscheidung! Immerhin findet sich im Faktenblatt campa07 ein Bekenntnis zum Informationszeitalter: Einer der Punkte ist “Moderner und effektiver Wahlkampf durch Einsatz neuer Medien”. Na da sind wir ja gespannt.
Siehe auch die bissige Kolumne von Ruedi Baumann, Das Jahr der Wahlen. via (logisch) den Auswandererblog von Ruedi Baumann.
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November 3rd, 2006
Gemäss Auskunft der kantonalen SVP befinden sich die Tonbandanrufe in einer Testphase. Bei vielen negativen Reaktionen würde der Versuch abgebrochen; andernfalls will die Partei die Tonbandanrufe im Wahljahr 2007 anwenden. Die Methode der «Telefoninformation» könne künftig dort eingesetzt werden, «wo Medien die Botschaften der SVP boykottieren, in die Spalten am linken Seitenrand verdrängen oder verkommentiert publizieren», schreibt die Volkspartei in ihrer heutigen Mitteilung. Die SVP beabsichtigt, in die neue Methode zu investieren, um bei Abstimmungs- oder Wahlkämpfen kein Geld «für Inseratekampagnen in SVP-kritischen Medien verlochen zu müssen».
Wenn man die Verschwörungstheorien mal beiseite lässt, ist an dieser Mitteilung vor allem das interessant, was nicht thematisiert wird: Das Internet als Wahlplattform. Offenbar glaubt die SVP nicht an das Potential des Internets und will sich stattdessen auf Direktmarketing mit relativ traditionellen Kommunikationsmethoden konzentrieren. Ob die Rechnung aufgeht, wird sich zeigen.
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October 16th, 2006
Gemäss swissinfo wird es 2007 kein E-Voting geben, unter anderem weil verschiedene Kantone nicht über die dafür notwendige Infrastruktur verfügen. Die Lobby-Organisation der Auslandschweizer ärgert das verständlicherweise:
Zahlreiche Auslandschweizer beklagten sich bei der ASO, sie würden das Stimm-Material zu spät erhalten oder nicht früh genug, um es rechtzeitig zurückzuschicken wegen der oft schlecht funktionierenden lokalen Post. Damit fühlten sie sich in ihren politischen Rechten behindert, so Mastantuoni. “Für uns ist klar, dass sich mit e-Voting wesentlich mehr Auslandschweizer an Wahlen und Abstimmungen beteiligen würden.”
Gemäss ASO leben gut 600′000 Schweizerinnen und Schweizer im Ausland; davon sind aber nur 100′000 für die Stimmabgabe eingeschrieben.
Auch für Inlandschweizer wäre E-Voting eine praktische Sache. Es darf aber bezweifelt werden, dass dadurch die Stimmbeteiligung massgeblich erhöht werden kann.
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October 15th, 2006
Noch ist ja ungewiss, was aus dem Vorhaben des Bundes wird, das Schweizer Internet zu überwachen. Andernorts hingegen geht man viel weiter: Statt dass die Politiker normale Bürger überwachen lassen, gehen sie gleich hin und lassen andere Politiker überwachen – mit der Videokamera! In der wohl berechtigten Hoffnung, dass denen irgendwann eine Peinlichkeit passiert, die man dann sofort auf Youtube publizieren kann. Gelernt haben sie das natürlich von den allgegenwärtigen Handy-Paparazzi.
Da lobe ich mir direkt die beschauliche und brave Art, wie hierzulande Wahlkampf betrieben wird.
via picturephoning
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October 9th, 2006
Und schon ist der Wahlkampf 2007 eröffnet:
Die diesjährige Ideenmesse steht unter dem Leitthema: «Wahlen 2007 – Eine liberale Agenda für die Schweiz». Und dieses Jahr sollen auch blogs dabei und ein Thema sein. So gibt es im Vorfeld auch ein blog zu der Veranstaltung, bei dem vor allem die Junge CVP, FDP und SVP mitschreiben werden. Ausserdem schreiben Verteter vom Liberalen Institut und vom Liberalen Aufbruch mit, weitere werden folgen.
Interessant ist, dass hier nur das rechte Spektrum vertreten ist. Entweder wurden die Linken und Grünen vom Netzwerk der Schweizer Think Tanks
nicht eingeladen, oder sie wollten nicht dabei sein.
Dementsprechend sind denn auch die Themen der ersten Beiträge eher etwas einseitig:
Aber das macht nichts. Die Linken und Internetten Grünen werden sich schon noch Gehör verschaffen. Denke ich mal.
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October 1st, 2006
Statt den Schweizer Politikern und ihrer Lobby aus Beratern, Politologen und Polit-Bloggern die Deutungshoheit über das Phänomen Internet-Politik zu überlassen, werde ich hier als ganz normaler internetversierter Bürger beobachten, wie im Internet Schweizer Politik gemacht wird.
Und das mindestens neun Jahre lang: Von 2006 bis 2015. Damit werde ich über drei eidgenössische Wahlen hinweg (2007, 2011, 2015) verfolgen können, wie sich die Politik das Internet zunutze macht.
Natürlich bin ich ganz besonders auf Folgendes gespannt:
- Werden die Parlamentswahlen 2015 auch per Internet-Voting stattfinden
- Wie sieht die politische Schweiz 2015 aus
- Welche Rolle hat das Internet 2015 in unserem Leben
Es ist eine lange Reise. Der Weg ist das Ziel.
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